Der Iran zerstört US-israelische Radaranlagen und Sensoren und verändert so den Kriegsverlauf. Dies könnte die Antwort auf die aktuell wichtigste Frage sein: Warum scheint der Luftraum plötzlich durchlässig, selbst für das angeschlagene iranische Militär?
Der Beitrag ist auf Englisch am 30. März 2026 erschienen auf der Seite des Quincy Institute for Responsible Statecraft responsiblestatecraft.org
Von Jennifer Kavanagh
Jennifer Kavanagh ist Senior Fellow und Leiterin der Militäranalyse bei Defense Priorities, einem Think Tank mit Sitz in Washington D.C. Zuvor war sie Senior Fellow bei Carnegie Endowment for International Peace und leitende Politikwissenschaftlerin bei der RAND Corporation. Sie doziert an der Georgetown University
Einen Monat nach Beginn der US-Militärkampagne gegen den Iran sind die Grenzen von Israels vielgerühmtem Luftverteidigungssystem aufgezeigt. In den letzten zehn Tagen wurden wichtige Städte wie Tel Aviv, Dimona und Arad von iranischen Raketen, die das israelische Abfangnetz durchbrachen, schwer beschädigt. Die naheliegende Erklärung für die Schwächen dieses Netzes: Die Erschöpfung der israelischen Abfangraketenbestände zwingt die israelischen Streitkräfte dazu, Munition zu rationieren oder Ziele zu priorisieren.
Doch die Mängel in Israels Luftverteidigung haben wohl tiefere Ursachen. Selbst wenn Israel dazu gezwungen wäre, nur die wichtigsten Standorte zu verteidigen, wäre Dimona, gelegen in der Nähe wichtiger Atomanlagen, weit oben auf der Prioritätenliste. Die beunruhigende Realität: Lücken in Israels Luftverteidigung sind womöglich weniger zurückzuführen auf Abfang- als vielmehr auf Erkennungsfehler, die durch Beschädigungen der Radare und Sensoren im integrierten Luftverteidigungsnetz der USA, Israels und ihrer Golfpartner verursacht werden. Sollte sich dies bestätigen, wären die Folgen verheerend.
Ohne die „Augen“, auf die sich das amerikanische Militär zur Identifizierung und Abwehr von Bedrohungen verlässt, wären US-Streitkräfte und -Ressourcen deutlich verwundbarer als bisher angenommen. Bis vor Kurzem galt Israels mehrschichtiges Luftverteidigungssystem als nahezu undurchdringlich. Die erste Verteidigungslinie, bekannt als Iron Dome, schützt Israels Städte und Infrastruktur vor Kurzstreckenraketen, wie sie von Hisbollah und Hamas abgefeuert werden. Auch wenn der Iron Dome in den Tagen und Wochen nach dem Angriff vom 7. Oktober erheblichem Druck standgehalten hat, ist er gegen einen deutlich stärkeren Gegner, bewaffnet mit ballistischen Raketen und Langstreckendrohnen, weniger wirksam.
Zum Schutz vor den Mittel- und Langstrecken-Marschflugkörpern und ballistischen Raketen des Iran, die im aktuellen Krieg die größte Bedrohung darstellen, setzt Israel auf drei weitere Luftverteidigungslinien: David’s Sling, Arrow 2 und 3 sowie die von den USA bereitgestellten THAAD-Systeme. Während David’s Sling Raketen innerhalb der Erdatmosphäre abfängt, zielt das Arrow-System auf Raketen außerhalb der Atmosphäre und ist daher deutlich effektiver gegen ballistische Raketen. Israel erhält zudem Unterstützung durch US-amerikanische THAAD-Systeme im eigenen Land sowie durch Luft- und Seestreitkräfte in der Region.
Die Redundanz des israelischen Luftverteidigungssystems erklärt, warum Beobachter von Irans jüngsten Erfolgen so überrascht waren. Sie fragen sich, warum Israels Luftraum plötzlich so angreifbar erscheint, selbst gegenüber einem geschwächten iranischen Militär. Es gibt mehr als eine Antwort auf diese Frage, aber die einfachsten Erklärungen reichen nicht aus. Israel hat tatsächlich einen Großteil seiner Abfangraketen verbraucht. Berichten zufolge haben die israelischen Streitkräfte in den ersten drei Kriegswochen bis zu 80 % der modernsten Luftverteidigungsmunition eingesetzt, was Israel zwang, zunehmend auf andere Systeme zurückzugreifen. Diese rasche Erschöpfung deutet darauf hin, dass Israels Verteidigung fragiler war als angenommen und eindeutig nicht für die Angriffsflut ausgelegt, zu der der Iran heute fähig ist.
Ein weiterer Faktor für Irans Erfolge ist der Einsatz einer großen Anzahl von Drohnen und Streumunition, die ein Luftverteidigungsnetz überrennen und dessen Kapazität überfordern können. Kein Luftabwehrsystem ist perfekt. Irans Fähigkeit, die Anzahl der gegen die israelische Verteidigung eingesetzten Munition zu erhöhen, könnte daher die höhere Trefferquote im Vergleich zu früheren Konflikten erklären. Allerdings setzte der Iran im Zwölftagekrieg ähnliche Waffen mit geringerer Wirkung ein, weshalb auch diese Erklärung nicht überzeugend ist. Das Problem dieser ersten Erklärungen liegt in ihrer Einseitigkeit und der Fokussierung auf Schwächen innerhalb Israels. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass die beobachteten Schwachstellen in Israels Luftverteidigungssystemen nicht in Israel selbst, sondern außerhalb liegen – im umfassenderen US-amerikanisch-israelischen Luftverteidigungsnetzwerk, das sich über den Nahen Osten erstreckt.
Obwohl Israel viele seiner Luftverteidigungssysteme und Munition selbst besitzt und sogar produziert (teilweise in Joint Ventures mit den Vereinigten Staaten), ist sein Luftverteidigungsnetzwerk mit dem der Vereinigten Staaten integriert. Dies ermöglicht beiden Ländern den Austausch von Informationen und Daten von Sensoren und Radaren in der gesamten Region. Eine Beschädigung dieses Netzwerks würde Israels Luftverteidigung – und die der Vereinigten Staaten – fatal schwächen. Auch wenn Echtzeit-Satelliteninformationen nur eingeschränkt aussagekräftig sind, mehren sich Hinweise auf ein solches systemisches Versagen. Berichte, die auf verfügbaren Satellitenbildern basieren, legen nahe, dass seit Kriegsbeginn mindestens zehn US-Radaranlagen im Nahen Osten von iranischen Drohnen angegriffen wurden. Darunter befinden sich mehrere AN/TPY-2-Radargeräte, die in den THAAD-Luftverteidigungssystemen eingesetzt werden, sowie ein AN/FPS-132 Phased-Array-Radar in Katar. Zwar würde der Ausfall eines einzelnen Radars nicht das gesamte Luftverteidigungsnetz lahmlegen, doch der Verlust von zehn oder mehr Radargeräten oder Sensorsystemen würde die Fähigkeit der USA, Bedrohungen zu erkennen und darauf zu reagieren, erheblich beeinträchtigen.
Noch beunruhigender ist die offensichtliche Unfähigkeit der Vereinigten Staaten, ihre eigenen Stützpunkte im Nahen Osten zu schützen. Letzte Woche kamen Berichte ans Licht, wonach US-Personal auf vielen Militärstützpunkten in der Golfregion nicht mehr leben und arbeiten kann und gezwungen ist, in Hotels oder an alternative Standorte umzuziehen, da die Stützpunkte selbst zu anfällig für Angriffe durch iranische Drohnen und Raketen sind. Tatsächlich bestätigen erfolgreiche Angriffe auf US-Flugzeuge in Stützpunkten der Region und anhaltende Verluste an Standorten mit US-Personal diese Schwachstellen. Beim jüngsten Vorfall im Luftwaffenstützpunkt Prinz Sultan in Saudi-Arabien verletzten iranische Raketen und Drohnen zwölf Soldaten und beschädigten mehrere Flugzeuge, darunter ein seltenes Frühwarnflugzeug vom Typ E-3. Dieses Ziel hätten die USA mit Sicherheit geschützt – selbst bei geringer Anzahl an Abfangraketen –, hätten sie die Bedrohung rechtzeitig erkannt.
Die meisten wichtigen Stützpunkte für US-Streitkräfte im Nahen Osten verfügen auch über moderne Luftverteidigungssysteme oder werden von diesen geschützt. Die offensichtliche Verwundbarkeit dieser Standorte deutet also auf ein weitaus größeres Problem hin als auf einen Mangel an ausreichenden Abfangraketen oder Drohnenabwehrsystemen. Die Nachricht, dass das Pentagon Teile der in Asien stationierten THAAD- und Patriot-Systeme in den Nahen Osten verlegt, liefert einen abschließenden Datenpunkt. Erstens spricht ihre Verlegung dafür, dass die größte Bedrohung nicht von Drohnen ausgeht, denn diese Systeme sind für ballistische und andere moderne Raketen ausgelegt. Zweitens wären ganze Systeme verlegt worden, wenn man mehr Kapazität benötigt hätte. Da aber lediglich Teile umverteilt wurden, dürfte das Ziel in der Reparatur beschädigter Systeme oder im Austausch beschädigter Komponenten – einschließlich Sensoren und Radare – bestanden haben.
Die Folgen auch nur eines Teilausfalls des US-Luftverteidigungsnetzes im Nahen Osten wären weitreichend und würden die US-Operationen im laufenden Krieg, in künftigen Konflikten in anderen Einsatzgebieten sowie die Landesverteidigung gefährden. Das Pentagon hat viel Zeit damit verbracht, über die Munitionskapazität und die Notwendigkeit des Wiederaufbaus von Munitionsbeständen zu sprechen. Dabei könnte die dringlichere Nachkriegsanforderung die Reparatur und Verstärkung des US-Netzwerks bodengestützter Sensoren und Radare sein, auf dem die US-Luftverteidigung im Nahen Osten und anderswo beruht.
Dies ist eine weitaus größere Herausforderung als die bloße Beschleunigung der Munitionsproduktion. Die Reparatur moderner Radargeräte und Sensoren ist zeitaufwendig, teuer und komplex. Der Krieg mit dem Iran hat die US-amerikanische Luftverteidigungsstrategie grundlegend infrage gestellt – insbesondere ihre starke Abhängigkeit von bodengestützten Systemen. Er legt die Folgerung nahe, dass die US-Luftverteidigungskapazitäten für moderne Kriegsführung nicht ausreichend sind. Das Problem ist daher strategischer, nicht nur technischer Natur.
Künftig könnte die Nutzung von bodengestützten Sensoren und Radargeräten unwirksam und untragbar werden, insbesondere in Konflikten mit gut ausgerüsteten Gegnern. Das Pentagon muss den Umstieg auf weltraum- und satellitengestützte Systeme zur Ortung und Abwehr von Zielen rasch beschleunigen. Da neue Technologien Zeit zum Reifen benötigen und eigene Grenzen aufweisen, ist eine Stärkung der US-Militärinfrastruktur erforderlich und sollte umgehend mit erheblichen Investitionen bedacht werden.
Schließlich sollten US-Verteidigungsfunktionäre die aktuelle militärische Präsenz der USA im Nahen Osten und anderswo neu bewerten. Die Vereinigten Staaten stationieren routinemäßig Soldaten an gefährdeten Standorten nahe den Grenzen gegnerischer Staaten, angeblich zur Abschreckung. Eine Luftverteidigung, die stärker anfällig ist, wird den dauerhaften Abzug des Personals von diesen Standorten erfordern.
Titelbild: Tasnim News Agency, CC BY 4.0 (Lizenzangabe laut Originalquelle)