Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu übt Druck auf US-Präsident Trump aus. Wird Trump nachgeben und einen Krieg gegen den Iran beginnen?
Dieser Artikel ist am 2. Februar 2026 zuerst erschienen bei ronpaulinstitute.org
Von Ron Paul
Ron Paul war Abgeordneter im Repräsentantenhaus der USA und kandidierte bei den republikanischen Vorwahlen um die Kandidatur zu den US-Präsidentschaftswahlen 2008 und 2012. Mit anderen Kriegsgegnern gründete er das Ron Paul Institute for Peace and Prosperity
Seit einem Monat fragen sich die Amerikaner, ob Präsident Trump den Iran angreifen wird oder ob die massive militärische Aufrüstung im Nahen Osten nur ein weiterer Bluff ist. Präsident Trump behauptet, dass die Entscheidung allein bei ihm liegt. Bislang hat Präsident Trump aber kaum Anstrengungen unternommen, um dem amerikanischen Volk – oder dem Kongress – zu erklären, warum ein Krieg gegen den Iran in unserem nationalen Interesse liegen soll. Stattdessen wechselt er von einem Grund zum anderen, in der Hoffnung, dass etwas davon hängen bleibt.
Zunächst war es eine „nukleare Bedrohung”. Dabei hatte er doch geschworen, das iranische Atomprogramm im vergangenen Sommer „ausgelöscht” zu haben. Nachdem dann die CIA, der Mossad und der britische MI6 Ende Dezember eine Operation zum Regimewechsel in Form von gewalttätigen Protesten gestartet hatten, wurde die Unterdrückung der Aufstände durch die iranische Regierung zum Vorwand für einen Krieg. Bevor dieser Vorwand allerdings genutzt werden konnte, gelang es der iranischen Regierung, den Aufstand niederzuschlagen. Daher kehrte Präsident Trump zum Thema des iranischen Atomprogramms zurück und fügte noch das iranische Raketenprogramm hinzu.
Selbst gemessen an den niedrigen Schwellenwerten für die jüngsten Militäraktionen der USA im Ausland sind diese Argumente nicht überzeugend. Deshalb sind die Amerikaner so skeptisch. In einer großen Umfrage im letzten Monat gaben sieben von zehn Amerikanern an, dass sie jegliche Militäraktion der USA gegen den Iran ablehnen. Wenn es um Fragen des Krieges geht, bei denen Milliarden von Dollar und unzählige Menschenleben auf dem Spiel stehen, muss man sich die schreckliche Frage stellen: „Wird er oder wird er nicht?“
Vor mehr als 250 Jahren haben wir uns gegen ein System erhoben, in dem der König die Macht beanspruchte, uns allein aufgrund seiner königlichen Entscheidung in den Krieg zu führen. Unsere Gründerväter waren sich der Torheit bewusst, so viel Macht in den Händen einer einzigen Person zu konzentrieren. Sie legten die Befugnis, das Land in den Krieg zu führen, in den direkten Vertretern des Volkes die Hände, nämlich dem Kongress. Diese verfassungsmäßige Verpflichtung wurde nicht nur von der Exekutive missachtet. Ein Großteil der Schuld muss dem Kongress zugeschrieben werden, der sich in Bezug auf die Kriegsmacht zum Fußabtreter für jeden gemacht hat, der das Weiße Haus besetzt.
Die Mitglieder der Partei des Präsidenten – unabhängig davon, um welche Partei es sich handelt – haben Angst davor, sich gegen „ihren“ Präsidenten zu stellen. Und die Mitglieder der oppositionellen Partei schweigen, weil sie nicht beschuldigt werden wollen, die Truppen nicht zu unterstützen. Die Medien berichten, dass der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu erneut nach Washington reisen wird – zum sechsten Mal in einem Jahr –, wo er voraussichtlich erneut Druck auf Präsident Trump ausüben wird, einen Krieg gegen den Iran zu beginnen. Bei seinem letzten Besuch in den USA – im Dezember – wurden die Proteste für einen Regimewechsel im Iran ausgelöst.
Was hat er dieses Mal vor? Wie kann es sein, dass ein ausländischer Staatschef mehr Einfluss als der US-Kongress darauf hat, ob wir in den Krieg ziehen? Eines wissen wir mit Sicherheit: Unabhängig davon, ob Trump einen Krieg beginnt oder nicht, hat uns die massive militärische Aufrüstung im Nahen Osten bereits Milliarden von Dollar gekostet. Diese Milliarden tragen nicht dazu bei, Amerika tatsächlich wieder groß zu machen, sie machen nur den militärisch-industriellen Komplex „größer“.
Das amerikanische Volk wird lediglich die anhaltende Entwertung des Dollars und damit mehr Inflation und einen niedrigeren Lebensstandard im eigenen Land erleben. Und natürlich werden wir zusätzlich zum Billionen-Dollar-Militärbudget für dieses Jahr einen Gesetzentwurf für „zusätzliche Kriegsausgaben“ sehen.
Titelbild: Ron Paul speaking at the Young Americans for Liberty National Convention, Kissimmee (Florida), 2024 — Foto: Gage Skidmore — CC BY-SA 2.0 — https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/