Wir können Bestandteile unserer nationalen Sicherheit nicht an Nationen auslagern, die unsere Interessen nicht teilen. Aber genau das würde dieses vorgeschlagene Vorhaben bewirken
Der Beitrag erschien auf Englisch am 3. Juni 2026 auf der Seite des Quincy Institute for Responsible Statecraft responsiblestatecraft.org
Von Joe Kent
Joe Kent ist Veteran der US-Armee und ehemaliger paramilitärischer Offizier der Central Intelligence Agency, von 2025 bis 2026 diente er als Direktor des Nationalen Zentrums für Terrorismusbekämpfung
Der Krieg gegen den Iran mag Israel und den Vereinigten Staaten auf dem Schlachtfeld einige taktische Siege beschert haben, aber weder Israel noch jene amerikanischen Leader, die jenes Land vehement unterstützen, gewinnen die amerikanische öffentliche Meinung für sich. Diese schwindende Popularität könnte die 3,8 Mrd. Dollar gefährden, die Israel jährlich an US-Militärhilfe erhält.
Und diese 3,8 Mrd. sind nicht alles, was wir Israel zukommen lassen: Wir bieten zudem unschätzbare diplomatische Rückendeckung auf der Weltbühne – zusätzlich zu direkter militärischer Unterstützung durch die USA in besonderen Krisensituationen. Abgesehen davon hat der Krieg im Iran vor allem der regionalen Agenda Israels gedient und den US-Steuerzahler bislang schätzungsweise mehr als 50 Mrd. Dollar gekostet. Angesichts dieser Faktoren stehen die meisten Amerikaner der Unterstützung, die wir Israel gewähren, zunehmend skeptisch gegenüber.
Um in dieser veränderten Stimmung vor die Lage zu kommen, versuchen Israel und seine amerikanischen Verbündeten – wie etwa der US-Botschafter in Israel Mike Huckabee – die jährlichen Hilfsleistungen an Israel neu zu etikettieren. Anstatt als jährliche Auszahlungen im Rahmen eines Memorandum of Understanding (MOU) zu firmieren, sollen künftig alle Leistungen an Tel Aviv laut Huckabee „auf Handelsbasis“ erfolgen. Ziel dieser Umbenennung ist es, die Vorstellung zu entkräften, Israel sei auf amerikanische Almosen angewiesen und der US-Steuerzahler komme für die schrecklichen Szenen auf, die sich derzeit im Gazastreifen und im Libanon abspielen.
Das hat natürlich einen großen Haken. Dieser Haken verbirgt sich in Abschnitt 224, der geschickt im umfangreichen „National Defense Authorization Act“ (NDAA), dem Gesetz zur Autorisierung der nationalen Verteidigung, tief vergraben ist und den Titel „Initiative zur Kooperation bei Verteidigungstechnologien zwischen den Vereinigten Staaten und Israel“ trägt. Diese Initiative wandelt die traditionelle Hilfsbeziehung in eine tiefgreifendere Partnerschaft zwischen den USA und Israel um – und zwar in zahlreichen Bereichen der technologischen Forschung und Entwicklung sowie der Rüstungsproduktion. Israel würde außerdem einen beispiellosen Zugang zur US-Technologieentwicklung sowie zur Datenfusion erhalten.
Abschnitt 224, der von Premierminister Benjamin Netanjahu wörtlich begrüßt wurde, verwandelt Israel im Wesentlichen von einem der wichtigsten Empfänger US-amerikanischer Hilfsgelder zu einem vollwertigen Mitglied des US-amerikanischen Verteidigungs- und Geheimdienstapparats. Was Spionageabwehr und strategische Kommunikation betrifft, stellt die Initiative gemäß Abschnitt 224 eine weitaus größere Bedrohung für die nationale Sicherheit der USA dar als die bisherige Regelung. Indem wir Israel in die Entwicklung kritischer Verteidigungstechnologien einbinden, schaffen wir Zugangs- und Kontrollmechanismen für eine Nation, die grundlegend andere Ziele verfolgt als Amerika.
Wir sollten die Entwicklung von Schlüsseltechnologien lieber ausschließlich auf US-Bürger beschränken. Die Gefahren, die damit einhergehen, einer anderen Nation Zugang zu unseren sensiblen Militärtechnologien zu gewähren, liegen auf der Hand. Nicht zuletzt könnte Israel Hintertüren und Spionagesoftware installieren, um sie mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit dazu zu nutzen, Einfluss auf die US-Politik zu nehmen. Aus strategischer Sicht ist Abschnitt 224 ein Albtraum für die Trump-Regierung und jeden Gesetzgeber, der ihn unterstützt. Die Stimmung in Amerika wendet sich gegen Israel, und Abschnitt 224 wird nicht dazu beitragen, das vorherrschende Narrativ zu unterdrücken, dass Israel zu viel Einfluss auf die amerikanische Regierung hat.
Ein noch beunruhigenderer Aspekt dieses Programms besteht darin, dass es israelischen Herstellern ermöglicht, Produktionsstätten in den USA mit einem amerikanischen Partner zu betreiben. Dies steht im Gegensatz zu der üblichen Art und Weise, wie Amerika Nationen militärisch unterstützt. Die Waffen, die die USA in Waffenpaketen liefern, wurden historisch alle in den USA von amerikanischen Herstellern hergestellt. Abschnitt 224 wird Israel die Möglichkeit geben, tatsächlich Arbeitsplätze in Amerika zu schaffen. Das ist eine starke Kernbotschaft, die Israel gegenüber vielen Kongressabgeordneten und der amerikanischen Öffentlichkeit einen Hebel an die Hand gibt.
Sicher, israelische Verteidigungsunternehmen und Subunternehmer sind derzeit in den USA tätig. Allerdings müssen sie immer noch mit amerikanischen Unternehmen konkurrieren und haben nicht den Zugang zur US-Regierung, den amerikanische Verteidigungsunternehmen genießen. Abschnitt 224 würde das auf den Kopf stellen, da die USA und Israel Waffensysteme gemeinsam produzieren würden, was israelischen Unternehmen einen beispiellosen Vorteil innerhalb des Pentagons verschaffen würde.
Die Idee, dass Israel amerikanische Arbeitsplätze durch die Herstellung militärischer Technologien in den USA schafft, mag auf den ersten Blick positiv klingen. Denn wer möchte nicht mehr amerikanische Jobs? Aber dieses Argument basiert auf dem gleichen Trugschluss, der zur Rechtfertigung der 3,8 Mrd. US-Dollar an Militärhilfe verwendet wird, die wir derzeit an Israel geben: dass die Hilfe größtenteils für amerikanische Waffensysteme ausgegeben wird, es sich also nicht wirklich um Hilfe, sondern um eine Investition in die amerikanische Industrie handelt, wie die pro-israelische Lobby behauptet.
Erstens ist die Vorstellung, dass wir einem fremden Land Milliarden für die Herstellung amerikanischer Waffensysteme geben müssen, lächerlich. Unterstützer Israels wie Botschafter Huckabee sagen gerne, dass die 3,8 Mrd. Dollar, die wir Israel geben, zurück in die amerikanische Wirtschaft fließen. Das setzt voraus, dass wir einer ausländischen Nation Geld geben müssen, um unsere Verteidigungsindustrie zu finanzieren. Was Unsinn ist. Wir sollten die 3,8 Mrd. Dollar stattdessen direkt in Waffensysteme für unsere eigenen Bestände investieren oder Waffen an Nationen verkaufen, die sie nicht mit amerikanischen Hilfsgeldern bezahlen müssen.
Zweitens fließt der Großteil der Gewinne aus dem Verteidigungssektor nicht in die Schaffung amerikanischer Arbeitsplätze oder zurück in die amerikanischen Gemeinden, sondern in die Gewinne des CEO und in Aktienrückkäufe. Dieses Thema hat Präsident Trump selbst angesprochen. Und wie haben die Aktionen Israels im Iran, im Gazastreifen oder im Libanon Amerika sicherer und wohlhabender gemacht? Einige der Informationen, die wir von den Israelis erhalten, können nützlich sein, aber unsere zunehmende Überabhängigkeit von ihnen hat dazu geführt, dass unsere eigenen Fähigkeiten verkümmern.
Wir sind eine souveräne Nation. Wir können nicht Teile unserer nationalen Sicherheit an Nationen auslagern, die unsere Interessen nicht teilen. Sie werden jedes Mal ihre eigenen Interessen in den Vordergrund stellen. Keine andere Regierung stellt die Bedürfnisse eines anderen Landes vor ihre eigenen. Denn das wäre dumm.
Israel kann immer noch ein anständiger Partner sein, solange wir uns der Unterschiede zwischen unseren beiden Ländern bewusst sind und entsprechend handeln. Wir müssen Amerikas Bedürfnisse an erste Stelle setzen.
Titelbild: Daniel Torok / The White House (U.S. Government Work, Public Domain)