Modschtaba Chamenei, Sohn des von USA und Israel getöteten Ayatollah Chamenei, ist vom Expertenrat als Nachfolger seines Vaters zum Obersten Führer der Islamischen Republik Iran bestimmt worden. Der 56-Jährige gilt als gut vernetzt und als Favorit der Islamischen Revolutionsgarden.
Zuletzt hat sich Irans Präsident Massud Peseschkian mit seiner Entschuldigung für die Angriffe auf Einrichtungen in den Golfstaaten in Widerspruch zu den Revolutionsgarden begeben. Als Oberster Führer hat Chamenei den Oberbefehl über die Streitkräfte und kann den Präsidenten entlassen, wenn der Oberste Gerichtshof eine Verletzung der verfassungsmäßigen Pflichten oder wenn das Parlament seine Inkompetenz festgestellt hat. Im Kriegsverlauf rückt also die Frage nach dem Verhältnis des Obersten Führers zum Präsidenten ins Zentrum.
Chamenei hat bei dem Anschlag auf seinen Vater seine Frau und laut Berichten auch ein Kind verloren. US-Präsident Donald Trump hat bereits geäußert, dass „Chameneis Sohn für mich inakzeptabel ist“. Der Oberste Führer, der als junger Mann im Krieg gegen den Irak gekämpft hat, rückt nun ins Visier von USA und Israel. Auf kurze Frist steht die Frage des Überlebens für Beobachter im Vordergrund. Wenn sich die Islamische Republik behaupten kann, stellt sich die Frage: Wird Chamenei an der Fatwa seines Vaters festhalten, die Bau, Erwerb und Einsatz der Atombombe verbietet?
Einige Beobachter merken an, dass die Islamische Republik durch die Nachfolge des Sohns auf den Vater die Tendenz zu einer Erbmonarchie annehme. Da sich die Islamische Revolution gegen die Dynastie der Pahlavis gerichtet habe, könne diese Tendenz mit dem Prinzip der Republik in Konflikt geraten, schreibt etwa Ali Fathollah-Nejad in seinem Buch über den Iran. Schon der Historiker Ali Ansari habe die Möglichkeit einer Chamenei-Dynastie – in Reminiszenz an den ersten Schia-Imam Ali – ins Auge gefasst.
Die Personalie erweitert also das Spannungsfeld um die Staatsform des Iran. Da wäre die Republik in ihrer gegenwärtigen Form, die Republik in der vom Westen gewünschten liberalen Form, die Erbmonarchie – und die Militärdiktatur. Je länger Kriege andauern, je intensiver sie geführt werden, desto eher nehmen kriegführende Staaten aus Gründen der Mobilisierung den Charakter einer Militärdiktatur an. Die Diktatur der Obersten Heeresleitung im Ersten Weltkrieg ist dafür das beste Beispiel.
Titelbild: Mostafa Tehrani / Tasnim News Agency, CC BY 4.0 (creativecommons.org/licenses/by/4.0/)