Der Beitrag wurde am 6. Februar 2026 auf Englisch von The Cradle veröffentlicht: thecradle.co

Von The Cradle

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Israel, Indien, die Vereinigte Arabische Emirate und Äthiopien begegnen sich am Roten Meer

Die Anerkennung Somalilands durch Israel hat zu einer Neuausrichtung am Horn von Afrika geführt und Indien, Israel, die Vereinigten Arabischen Emirate und Äthiopien zusammengebracht, um die Routen am Roten Meer zu sichern und Rivalen entgegenzuwirken.

Am 26. Dezember 2025 hat Israel offiziell die sogenannte Republik Somaliland anerkannt und damit eine bedeutende Wende in seiner Politik gegenüber dem Horn von Afrika vollzogen.

Dieser Schritt veränderte die politische Gleichung entlang einer der sensibelsten Seewege der Welt. In Hargeisa wurde er als lange erwartete Bestätigung wahrgenommen. In Addis Abeba eröffnete er neuen strategischen Handlungsspielraum. In Peking, Ankara, Kairo und Riad hingegen löste er unmittelbare Besorgnis aus. Es festigt eine Viererallianz zwischen Israel, Indien, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Äthiopien. Diese neue Achse konzentriert sich auf die Sicherung der Meerengen im Golf von Aden und in Bab al-Mandab und legt den Grundstein für eine Alternative zu Chinas Neue Seidenstraße (BRI) in Ostafrika.

Der Zeitpunkt folgte auf Monate eskalierenden regionalen Drucks. Die israelisch-iranische Konfrontation im Juni 2025 sowie die jemenitische Seeblockade gegen Schiffe mit Ziel israelischer Häfen haben die Anfälligkeit der südlichen Seewege offenbart. Die Sicherung dieser Wasserstraßen wurde zu einem Ziel der nationalen Sicherheitsplanung Israels. Das südliche Seetor ist nun fester Bestandteil der umfassenderen regionalen Strategie Israels.

Somalilands Bedeutung erklärt sich durch seine geografische Lage. Es liegt an einer der verkehrsreichsten Seewege der Welt und ist somit ein wichtiger Knotenpunkt für Handelsströme zwischen Asien, Afrika und Europa. Für Israel und seine Partner bietet das Gebiet eine Plattform, um eine stabile, funktionsfähige Einheit zu etablieren, die dazu in der Lage ist, ihre Küste zu sichern, Infrastruktur zu beherbergen und unter formeller Anerkennung Investitionen in Technologie und Sicherheit anzuziehen.

Diese Anerkennung – insbesondere wenn sie von verbündeten Staaten mitgetragen wird – verleiht einer Einheit, die seit mehr als drei Jahrzehnten de facto Selbstverwaltung ausübt, politische Legitimität. Sie öffnet die Tür für eine strukturierte militärische Zusammenarbeit, den Ausbau der Infrastruktur und eine fortschrittliche technologische Integration, die zuvor durch diplomatische Unklarheiten behindert wurden.

Aufbau der maritimen Achse

Indiens strategische Ausrichtung deckt sich weitgehend mit diesen Entwicklungen. Neu-Delhi betrachtet Ostafrika und insbesondere das Horn von Afrika seit Langem als Erweiterung seiner maritimen Einflusssphäre im Indischen Ozean.

Mit der SAGAR-Initiative (der Name bedeutet auf Hindi „Meer“), die der indische Premierminister Narendra Modi 2015 während seines Besuchs auf Mauritius ins Leben gerufen hat, hat Neu-Delhi eine Vision von „Sicherheit und Wachstum für alle in der Region“ formuliert und sich selbst als koordinierende Kraft unter den Anrainerstaaten des Indischen Ozeans positioniert. Das Folgeprojekt MAHASAGAR („Großer Ozean”) hat diese Richtung noch verstärkt, indem es den Fokus auf regionales maritimes Sicherheitsmanagement, koordinierte Marineführung und gemeinsame Überwachungssysteme legt.

Diese Strategien machen Indien zum wichtigsten Anbieter von maritimer Sicherheit in einem riesigen Meeresgebiet. Der internationale Handel – einschließlich der chinesischen und türkischen Schifffahrt – hängt immer mehr von der Sicherheitslage ab, die von Indien und seinen Partnern, darunter Israel und die Vereinigten Arabischen Emirate, bestimmt wird. Dadurch sinkt allmählich die Notwendigkeit einer direkten Beteiligung der USA oder Russlands an der Sicherung des Korridors Asien–Afrika–Europa, da die externe Aufsicht durch eine regional verankerte Struktur ersetzt wird.

Äthiopien ist in diesem Rahmen der Ankerpunkt auf dem Kontinent. Während Modis Besuch in Addis Abeba im Dezember 2025 wurden die bilateralen Beziehungen zu einer strategischen Partnerschaft ausgebaut, wodurch Äthiopiens Position innerhalb des Bündnisses formalisiert wurde. Für einen Binnenstaat mit 126 Millionen Einwohnern ist der Zugang zu Seehäfen eine strukturelle Notwendigkeit. Die Abhängigkeit von Dschibuti, wo der Einfluss Chinas nach wie vor bedeutend ist, hat wirtschaftliche Zwänge mit sich gebracht. Somaliland und der Hafen von Berbera bieten Addis Abeba einen alternativen Zugang, der weniger dem Einfluss Pekings ausgesetzt ist. Der Korridor Berbera-Äthiopien wird damit zu einer zentralen wirtschaftlichen Verkehrsader innerhalb der umfassenderen indisch-israelischen Allianz.

Verteidigungsüberlegungen verstärken diese Entwicklung. Indien hat sich zum Ziel gesetzt, die Rüstungsexporte bis zum Haushaltsjahr 2025/26 auf rund fünf Milliarden US-Dollar zu steigern, als Teil seiner umfassenderen Bemühungen um Ausbau der Rüstungsproduktion. Das Horn von Afrika ist ein aufgeschlossener Markt. Somaliland bietet ein Umfeld, in dem indische Systeme – oft in Verbindung mit israelischen Technologien – vermarktet, getestet und in lokale Sicherheitsstrukturen eingebettet werden können. Indien trägt zum Kapazitätsaufbau und zur Infrastrukturentwicklung bei, während Israel fortschrittliche technologische Fähigkeiten beisteuert. Zusammen bilden diese Elemente einen koordinierten Sicherheits- und Entwicklungsrahmen.

Regionale Reaktionen und strategische Gegenmaßnahmen

Für China stellt die sich abzeichnende Allianz eine direkte Herausforderung für sein Einflussmodell in Dschibuti dar. Pekings Strategie am Horn von Afrika stützt sich auf Infrastrukturfinanzierungen und Hafenmanagementvereinbarungen, die langfristige Einflussmöglichkeiten schaffen. Der indisch-israelische Ansatz bietet einen konkurrierenden Rahmen, der auf diversifizierten Partnerschaften und Sicherheitsintegration basiert. Es ist unwahrscheinlich, dass China passiv bleibt. Zu den erwarteten Reaktionen zählen verstärkte militärische Aktivitäten in seiner Basis in Dschibuti, diplomatischer Druck innerhalb der Afrikanischen Union, um eine kollektive Anerkennung Somalilands zu verhindern, und erweiterte Investitionen in die Hafeninfrastruktur von Mogadischu.

Auch die Türkei steht vor einer strategischen Neuausrichtung, da Ankara umfangreich in Somalia investiert hat, dessen Streitkräfte ausbildet und wichtige Einrichtungen verwaltet. Die Anerkennung durch Israel erschwert diese Position. Eine Ausweitung der Drohnenlieferungen nach Mogadischu und eine engere militärische Zusammenarbeit mit Pakistan, um dem Einfluss Indiens entgegenzuwirken, sind plausible Reaktionen. Die Türkei könnte auch diplomatische Bemühungen innerhalb der Organisation für Islamische Zusammenarbeit (OIC) unternehmen, um die Anerkennung anzufechten.

Der Iran bleibt Teil der allgemeinen Sicherheitsarchitektur. Die Annäherung zwischen Indien und Israel zielt darauf ab, Teheran weniger Möglichkeiten zu geben, durch asymmetrische Taktiken, darunter Cyberoperationen oder unbemannte Systeme, Druck auf das Rote Meer auszuüben. Die Stärkung der maritimen Sicherheit im Golf von Aden schränkt solche Möglichkeiten ein. Die wirtschaftliche Dimension geht über Sicherheit allerdings hinaus. Der Wirtschaftskorridor Indien–Naher Osten–Europa (IMEC) stellt ein wichtiges Gegengewicht zu Chinas Seidenstraßen-Netzwerken dar. In diesem Rahmen sorgen die VAE für finanzielle und logistische Tiefe.

Das Horn von Afrika wird zu einem südlichen Dreh- und Angelpunkt innerhalb dieses Korridors. Somaliland fungiert als stabilisierender Knotenpunkt, insbesondere da Indien seine Handelsabkommen mit den USA, der EU und Großbritannien vertieft. Westliche Hauptstädte betrachten die Allianz als einen Mechanismus, um Lieferketten vor der Dominanz chinesischer Häfen zu schützen und Seewege vor regionalen Störungen zu sichern.

Strukturelle Belastungen und Reibungspunkte

Trotz ihrer strategischen Kohärenz steht die Allianz vor strukturellen Herausforderungen. Das Prinzip der aus der Kolonialzeit übernommenen Grenzen spielt sowohl in der Afrikanischen Union als auch in der Arabischen Liga weiterhin eine zentrale Rolle. Eine breitere Anerkennung Somalilands wirft Bedenken hinsichtlich territorialer Präzedenzfälle auf. Die indische Diplomatie muss skeptische afrikanische und arabische Staaten – darunter Ägypten, Saudi-Arabien und Katar – davon überzeugen, dass Somaliland eher ein stabilisierender Faktor als ein Auslöser für Fragmentierung ist.

Der technologische Wettbewerb bleibt aktiv. Türkische Drohnen sind nach wie vor für ihre Erschwinglichkeit und operative Effektivität bekannt, während Pakistan seine Rüstungsexporte weiter ausbaut. Die Partnerschaft zwischen Indien und Israel muss unter den regionalen Bedingungen nachhaltige operative und Kostenvorteile aufweisen. Die innere Stabilität Äthiopiens ist ein weiterer entscheidender Faktor. Addis Abeba fungiert als Dreh- und Angelpunkt des Kontinents. Politische Instabilität würde die Lebensfähigkeit des Berbera-Korridors beeinträchtigen und die wirtschaftliche Grundlage der Allianz schwächen.

Die Position Saudi-Arabiens macht die Sache noch komplizierter. Abu Dhabi hat sich fest an die neue Achse angeschlossen und sieht die Stabilität in Somaliland und Äthiopien als wichtig für den Schutz seiner Hafeninvestitionen an, vor allem durch die Beteiligung von DP World in Berbera. Riad hat in der Vergangenheit eine flexiblere Politik am Horn von Afrika verfolgt und manchmal zwischen dem Engagement der Türkei und Pakistans in Mogadischu balanciert. Eine engere Sicherheitsallianz der Emirate mit Israel und Indien könnte Saudi-Arabien zu einer Neukalibrierung veranlassen.

Regionales Gleichgewicht und externe Einflussnahme

Ägypten betrachtet die Entwicklungen durch die Brille des Nil-Konflikts. Die Anerkennung Israels überschneidet sich mit dem Projekt des Grand-Ethiopian-Renaissance-Talsperre in Äthiopien und verstärkt Kairos Sorgen um eine strategische Einkreisung.

Darüber hinaus hat Ägypten die militärische Zusammenarbeit mit Mogadischu verstärkt und rechtliche Initiativen innerhalb regionaler Institutionen verfolgt, um die Normen der territorialen Integrität zu stärken. Die Aufrechterhaltung der rechtlichen Unklarheit in Somaliland schränkt Investitionen ein und verlangsamt den Ausbau des Korridors.

Offiziell hält Washington an der Ein-Somalia-Politik fest. In der Praxis hat es aber die Sicherheitszusammenarbeit mit Somaliland ausgeweitet. Der National Defense Authorization Act von 2026 hat einen Rahmen für die militärische Zusammenarbeit mit Hargeisa geschaffen, einschließlich des Zugangs zu Einrichtungen in Berbera. Die funktionale Zusammenarbeit wurde ohne formelle diplomatische Anerkennung vorangetrieben. Für die US-Planer bietet die Vier-Parteien-Allianz eine Möglichkeit, die Abhängigkeit vom chinesisch geprägten Dschibuti zu verringern und gleichzeitig den Einfluss des Iran im Roten Meer zu begrenzen. Gleichzeitig hält Washington die Arbeitsbeziehungen zu Mogadischu aufrecht, um die Zusammenarbeit bei der Terrorismusbekämpfung weiterzuführen. 

Die Allianz zwischen Indien und Israel über Somaliland spiegelt eine Neugewichtung der Machtverhältnisse entlang des Roten Meeres wider. Maritime Sicherheit, technologische Integration und Korridorpolitik überschneiden sich nun in einem Gebiet, dessen strategische Bedeutung seine Größe übersteigt. Israelisches Know-how, indische Ambitionen, Kapital aus den Vereinigten Arabischen Emiraten und äthiopische Notwendigkeiten kommen in einem Projekt zusammen, das darauf abzielt, Handelswege zu sichern und regionale Allianzen neu zu gestalten. Wie lange dieses Rahmenwerk Bestand hat, hängt von der Stabilität auf dem Kontinent, der diplomatischen Steuerung und den Reaktionen der rivalisierenden Mächte ab. Sie sind nicht bereit, ihren Einfluss am Horn von Afrika aufzugeben.

Titelbild: Lage von Somaliland in der Region.
Karte: TUBS, basierend auf „World location map (W3)“. Lizenz: CC BY-SA 3.0 — https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/