Die Huthi haben ihre Position am Bab al-Mandab ausgebaut und bedrohen damit eine der wichtigsten Seerouten zwischen Asien und Europa. Zugleich geraten Saudi-Arabiens alternative Ölexportrouten zunehmend unter Druck. Für die Türkei berührt die Entwicklung eigene strategische Interessen im Roten Meer und vor Somalia. Ankara sollte deshalb auf eine politische Lösung drängen und vermeiden, selbst zur Kriegspartei im Jemen zu werden.

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Von Cem Gürdeniz

Cem Gürdeniz ist Publizist und Vizeadmiral im Ruhestand. Er gründete 2015 das maritime Forum an der privaten Koç-Universität (KÜDENFOR) und 2021 die Stiftung Hamit Naci Mavi Vatan. Gürdeniz ist ein Vordenker der Idee Mavi Vatan (Blaue Heimat), in der die Türkei als Seemacht gedacht wird

Im Jemen ist nach dem Hafen von Mokka nun auch die Insel Perim/Mayyun, die als Schlüssel zur Meerenge Bab al-Mandab gilt, unter die Kontrolle der Huthi geraten. Nach dem massiven Druck in der Straße von Hormus steht damit auch die Route durch das Rote Meer, die für Saudi-Arabiens Ölexporte von entscheidender Bedeutung ist, unmittelbar unter der Feuerkraft der Huthi. 

Mehr noch: Das Problem beschränkt sich inzwischen nicht mehr auf den Seeweg. Auch die Ost-West-Pipeline, die saudisches Öl über Abqaiq nach Yanbu und ans Rote Meer transportiert, ist in die Reichweite von Huthi-Angriffen geraten. Unter diesen Umständen besteht die rationale Option für Riad nicht darin, den Krieg auszuweiten, sondern auf einen Waffenstillstand und eine politische Lösung im Jemen hinzuwirken. 

Die Türkei sollte Saudi-Arabien dazu ermutigen, direkt oder über Vermittler Gespräche mit den Huthi aufzunehmen und zum Waffenstillstand und Friedensprozess beizutragen. Aufgabe der Türkei ist es in dieser Phase, sich gemeinsam mit Pakistan aus dem Krieg herauszuhalten. Derzeit zeichnet sich selbst auf Seiten Israels und der USA keine einfache militärische Option ab, mit der sich der militärische Druck, den die Huthi am Bab al-Mandab und im Roten Meer aufgebaut haben, kurzfristig beseitigen ließe. 

Solange die amerikanische Blockade- und Embargopolitik gegenüber dem Iran fortgesetzt und das neue strategische Gleichgewicht, das durch den Krieg am Persischen Golf entstanden ist, nicht akzeptiert wird, ist mit einer weiteren Zunahme des Drucks auf den Bab al-Mandab zu rechnen. Die Türkei darf sich unter diesen Umständen nicht in eine direkte Krise oder einen bewaffneten Konflikt mit dem Jemen hineinziehen lassen. Selbst Ankaras öffentliche Erklärungen müssen äußerst vorsichtig und ausgewogen ausfallen. Denn die gegenwärtigen Entwicklungen berühren unmittelbar die nationalen Interessen der Türkei. 

Eine der wichtigsten Seerouten unseres Außenhandels verläuft über Suez, das Rote Meer und den Bab al-Mandab. Noch wichtiger ist diese Route für unsere Aktivitäten vor der Küste Somalias. Für die dort auf Einladung der somalischen Regierung durchgeführten seismischen Untersuchungen, die Energieexploration und künftige Bohrungen bildet Mittelmeer–Suez–Rotes Meer–Bab al-Mandab die kürzeste strategische Verbindung – und ist damit für Transport und Sicherheit von entscheidender Bedeutung.

Der größte Fehler, den die Türkei in einer solchen Lage begehen könnte, wäre, sich durch die USA und ihre Vasallen in unserem eigenen Land zu einer Partei im Krieg zwischen dem Jemen und Saudi-Arabien machen zu lassen und damit unmittelbar gegen unsere eigenen nationalen Interessen zu handeln. Man darf nicht vergessen: Sollte die Türkei an der Seite Saudi-Arabiens in einen Krieg gegen die Huthi eintreten, würde man in Tel Aviv große Feste feiern.

Titelbild: Archer90 / OpenStreetMap / Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0: https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/