Angesichts wachsender Spannungen mit Israel und Griechenland stärkt die Türkei ihre Beziehungen nach Osten. Präsident Erdoğan hat den SOZ-Gipfel dazu genutzt. Damit folgt er einer Idee, die MHP-Chef Devlet Bahçeli ins Spiel gebracht hat: ein Bündnis zwischen der Türkei, Russland und China
Der Beitrag erschien am 9. September 2026 auf Englisch bei United World
Von Hakan Burak Özyer
Hakan Burak Özyer ist ein türkischer Autor und Kommentator. Er schreibt für die Tageszeitung Aydınlık über Außenpolitik und internationale Beziehungen
Präsident Recep Tayyip Erdoğan hat am 26. Gipfeltreffen der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SOZ) teilgenommen, das vom 31. August bis 1. September 2026 in Bischkek stattgefunden hat. Der Gipfel fand vor dem Hintergrund anhaltender Instabilität in Westasien statt, die durch den fortdauernden Konflikt zwischen dem Iran und den Vereinigten Staaten und die destruktive Politik Israels und Griechenlands im östlichen Mittelmeer angeheizt wird.
Hier ist an Devlet Bahçelis Initiative zu erinnern, der zuvor die Idee eines Bündnisses zwischen der Türkei, Russland und China (TRÇ) ins Spiel gebracht hatte. Ankaras Annäherung an die Staaten der SOZ fügt sich unmittelbar in diesen konzeptionellen Rahmen ein und stärkt die Stellung der Türkei als Brücke zwischen Osten und Westen. Darüber hinaus dient die Weiterentwicklung des TRÇ-Bündniskonzepts dazu, die regionale Position der Türkei zu stärken und den Druck der westlichen Mächte zu mindern.
Der Präsident führte mehrere bilaterale Gespräche mit anderen Staatsoberhäuptern, darunter Wladimir Putin, Ilham Alijew, Sadyr Dschaparow und Alexander Lukaschenko. Erdoğan erklärte, die Beziehungen zur SOZ weiter stärken zu wollen, und betonte den erheblichen gegenseitigen Nutzen der Zusammenarbeit sowohl für die Türkei als auch für die Organisation insgesamt. Auf sein Gespräch mit Präsident Putin angesprochen, erklärte er, der Austausch sei äußerst produktiv gewesen und in einer sehr herzlichen Atmosphäre verlaufen. Die Beziehungen zwischen der Türkei und Russland befänden sich heute auf weitaus höherem Niveau als jemals zuvor.
In den vergangenen Jahren hat sich ein Trend zu einer wachsenden Zahl von Konflikten im Umfeld der Türkei abgezeichnet. In den letzten Monaten haben die militärischen Bedrohungen unmittelbar an den Grenzen der Türkei spürbar zugenommen. Das ist in erster Linie auf das expansionistische Auftreten Israels in Syrien und Griechenlands in der Ägäis zurückzuführen. In zweiter Linie hängt es mit ukrainischen Angriffen auf türkische Schiffe im Schwarzen Meer zusammen.
Um die unmittelbare Quelle dieser Bedrohungen zu bestimmen, muss man fragen: Wer steht hinter diesen Ländern? Wer versorgt sie mit Waffen? Wer bestimmt, wie diese Waffen eingesetzt werden? All diese Fragen weisen eindeutig auf die Vereinigten Staaten.
Israel hat vor Kurzem einen Angriff in unmittelbarer Nähe zur türkischen Grenze durchgeführt und dabei offenbar mit Opfern unter türkischem Personal kalkuliert. Israel muss davon ausgegangen sein, dass sich dieses Personal zum Zeitpunkt des Angriffs in der betreffenden Einrichtung aufhielt.
Washington beschränkte sich auf Appelle zur Zurückhaltung. Israel räumt es einen erheblich größeren Handlungsspielraum ein als jedem seiner anderen Verbündeten – bis hin zur Duldung eines Angriffs auf einen weiteren Verbündeten, wie dies 2025 im Fall Katars geschah. Zugleich bezeichnet Israel die Türkei ausdrücklich als sein nächstes Ziel nach dem Iran. Was ist das anderes als eine direkte Bedrohung unserer Sicherheit, die von den Vereinigten Staaten unterstützt wird?
Nach Abschluss des SOZ-Gipfels veröffentlichte die Zeitung Türkgün einen Artikel mit der Überschrift „Die TRÇ-Formel – der Schlüssel zu neuen Gleichgewichten“. Die Teilnahme der Türkei an einer solchen Veranstaltung verdeutlicht erneut die Relevanz dieser Formel.
Der Vorsitzende der Milliyetçi Hareket Partisi (MHP) Devlet Bahçeli ist der engste politische Verbündete von Präsident Recep Tayyip Erdoğan. Dies lässt möglich erscheinen, dass seine Ansichten weitgehend auch die Position des Präsidialamtes widerspiegeln. Bahçeli vertritt die Auffassung, die Schaffung eines TRÇ-Bündnisses aus der Türkei, Russland und China sei „im Hinblick auf Vernunft, Diplomatie, politischen Geist, geografische Gegebenheiten und das strategische Umfeld des neuen Jahrhunderts die beste Option für die Türkei“.
Die dem TRÇ-Bündnis zugrunde liegende Idee spiegelt die wachsende Rolle der Türkei auf der internationalen Bühne und verdeutlicht den multidimensionalen Charakter ihrer Außenpolitik. Die Türkei muss ihre Politik nicht vor den westlichen Staaten rechtfertigen. Eine Außenpolitik, die ausschließlich nationalen Interessen folgt, ist der einzig mögliche Kurs für die Türkei und ihre Bürger.
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