Die Allianz zwischen Pakistan, Saudi-Arabien und der Türkei ist dem CENTO-Bündnis nachempfunden, das von 1955 bis 1979 bestand. Die USA treten gewissermaßen an die Stelle, die damals das Vereinigte Königreich einnahm. Denn alle drei Staaten sind formal Verbündete Washingtons. Wenn sich Indien und Israel zum Hexagon-Block zusammentun, können die USA die weitere Region spalten

Der Beitrag erschien am 8. August 2026 auf Englisch bei korybko.substack

Von Andrew Korybko

Andrew Korybko ist ein amerikanischer Politologe, der sich auf den globalen Systemwandel zur Multipolarität spezialisiert hat. Er lebt in Moskau

Islamische NATO hieß bislang die informelle militärisch-sicherheitspolitische Koordinierungsplattform zwischen Pakistan, Saudi-Arabien, der Türkei und Ägypten. Nun steht der Begriff für das Verteidigungsbündnis, das die ersten drei Staaten in Mekka formal besiegelt haben. Nach Angaben von Pakistans Außenministerium soll das Abkommen „die kollektive Abschreckung gegen jede Form von Aggression stärken“ und sieht vor, dass „jeder bewaffnete Angriff auf einen der drei Staaten als Angriff auf alle betrachtet wird“.

Das bedeutet nicht zwangsläufig, dass die Bündnispartner militärisch gegen jeden Angreifer ihres Verbündeten vorgehen. Vielmehr sollen sie so reagieren, als wären sie selbst angegriffen worden. Dies könnte militärtechnische Unterstützung für den betroffenen Partner und/oder Sanktionen gegen den Angreifer umfassen – im Fall Saudi-Arabiens etwa einen Lieferstopp von Öl. Im Grundsatz ähnelt das Abkommen damit Artikel 5 der NATO. Praktisch stellt die nun formalisierte Islamische NATO aus Pakistan, Saudi-Arabien und der Türkei vor allem Indien, Iran und Israel vor neue Herausforderungen.

Indien könnte erneut Ziel eines Terroranschlags werden, den Neu-Delhi dann Pakistan zurechnet. Daraufhin wäre eine konventionelle grenzüberschreitende Vergeltungsaktion denkbar. Der Iran wiederum könnte – als Reaktion auf mögliche US-Angriffe – erneut amerikanische Stützpunkte in Saudi-Arabien angreifen oder für Huthi-Angriffe auf das Königreich verantwortlich gemacht werden, wodurch das Bündnis aktiviert würde. Israel schließlich könnte eines Tages türkische Einrichtungen in Syrien angreifen und damit einen ähnlichen Mechanismus auslösen.

Von diesen drei Staaten hat der Iran nach meiner Ansicht am meisten zu befürchten, da die Türkei und Pakistan an seiner West- beziehungsweise Ostflanke liegen. Beide könnten sich aus Solidarität mit Saudi-Arabien an Kampfhandlungen gegen den Iran beteiligen, möglicherweise sogar im Rahmen einer begrenzten Bodenoffensive. Zwar versuchte ein hochrangiger Vertreter des Iran, die Bedeutung der Islamischen NATO herunterzuspielen. Dennoch verändert sie nach meiner Auffassung die Sicherheitsarchitektur der Region grundlegend – und keineswegs zum Vorteil des Iran.

Bemerkenswert ist, dass dieses Bündnis der Central Treaty Organization (CENTO) ähnelt, die von 1955 bis 1979 bestand und Pakistan, die Türkei, den Iran und das Vereinigte Königreich umfasste. In der neuen Konstellation ersetzt Saudi-Arabien den Iran, während die USA gewissermaßen an die Stelle des Vereinigten Königreichs treten, da alle drei Mitglieder formal Verbündete Washingtons sind. Die Türkei ist NATO-Mitglied, Pakistan und Saudi-Arabien besitzen den Status eines Major Non-NATO Ally. Die Islamische NATO sollte deshalb als proamerikanisches Bündnis zur Gestaltung der regionalen Ordnung verstanden werden.

Der Iran wird die Folgen dieses Bündnisses ebenso zur Kenntnis nehmen wie Indien und Israel. Teheran könnte Pläne entwickeln, Pakistan und/oder die Türkei anzugreifen, falls diese Saudi-Arabien unterstützen sollten, nachdem der Iran als Reaktion auf mögliche künftige US-Angriffe amerikanische Stützpunkte im Königreich attackiert hat. Indien und Israel könnten zum Schluss gelangen, dass die USA kein verlässlicher Verbündeter mehr sind (im Fall Indiens kein verlässlicher Major Defense Partner), was zu einer längerfristigen Abkühlung der Beziehungen und außenpolitischen Kurskorrekturen führen könnte.

Während der Iran der Islamischen NATO nur mit eigenen Mitteln entgegentreten kann, könnten Indien und Israel den von Benjamin Netanjahu früher vorgeschlagenen Hexagon-Block gemeinsam mit den Vereinigten Arabischen Emiraten, Griechenland und Zypern festigen. Auch Somaliland könnte sich diesem Bündnis anschließen, da es sich durch die Türkei und nun auch durch Pakistan bedroht sieht. Äthiopien dürfte hingegen eher abseits bleiben, solange sich der Rivale Ägypten der Islamischen NATO nicht offiziell anschließt. 

Nach meiner Auffassung könnte die Islamische NATO die weitere Region so in zwei gegensätzliche Lager spalten. Die USA könnten sie anschließend nach dem Prinzip „Teile und herrsche“ zu ihrem hegemonialen Vorteil gegeneinander ausspielen.