Die Sicherheitsarchitektur, die Saudi-Arabien, Pakistan und die Türkei vorantreiben, nimmt Gestalt auch zu See an. Der Islamischen NATO ging wenige Tage zuvor die Absichtserklärung zur Gründung einer maritime Koalition unter Führung Saudi-Arabiens voraus. Aufschlussreich ist, wer an der Gründung teilgenommen hat und wer nicht
Der Beitrag erschien am 3. August 2026 bei United World International
Von United World International
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Die wichtigste Entwicklung in der Woche vor dem Mecca Joint Defence Agreement war die gemeinsame Absichtserklärung zur Gründung einer maritimen Koalition. Nach dem Auftakttreffen in Riad einigten sich 14 Staaten auf die Schaffung eines „Rahmens zur maritimen Verteidigungszusammenarbeit“. Zu den Gründungsmitgliedern gehören Saudi-Arabien, die Türkei, Pakistan, Ägypten, Jordanien, Jemen, Bangladesch, Nigeria, Sudan, Dschibuti, Somalia, Bahrain, Kuwait und Katar. An dem Treffen in Riad nahmen Vertreter aus 43 Staaten und der Europäischen Union teil, ohne deshalb Gründungsmitglieder zu werden.
Die Erklärung nennt vier Hauptziele: Stärkung der maritimen Sicherheit, Schutz der Freiheit der Schifffahrt, Sicherung des internationalen Handels sowie der Energieversorgungsrouten, Schutz maritimer Interessen in der Straße von Bab al-Mandab, im Roten Meer und im Golf von Aden im Einklang mit dem Völkerrecht und den einschlägigen UN-Konventionen. Im Unterschied zur von den USA geführten Operation Prosperity Guardian, deren unmittelbares Ziel der Schutz von Handelsschiffen vor Angriffen der Huthi ist, verfolgt die saudische Initiative den Aufbau eines dauerhaften regionalen institutionellen Rahmens.
Reuters berichtet, Riad solle die Leitung und den Sitz der Koalition übernehmen und Mechanismen in folgenden Bereichen entwickeln: Austausch nachrichtendienstlicher Erkenntnisse, koordinierte Marinepatrouillen, gemeinsame Übungen, Krisenreaktionen und maritime Überwachung. Geopolitisch bemerkenswert ist, wer die Erklärung unterzeichnet hat – und wer nicht.
Die Beteiligung der Türkei verleiht der Initiative erhebliches militärisches Gewicht. Die türkische Marine zählt inzwischen zu den größten Seestreitkräften der NATO und hat ihre Einsätze vom Mittelmeer bis zum Horn von Afrika ausgeweitet. Ebenso bedeutsam ist die Unterstützung Ägyptens, dessen Wirtschaft unter den rückläufigen Einnahmen des Suezkanals leidet, nachdem zahlreiche Reedereien ihre Schiffe um das Kap der Guten Hoffnung umleiten. Pakistan bringt eine leistungsfähige Marine mit umfangreicher Erfahrung im Arabischen Meer ein, während Dschibuti und Somalia strategisch wichtige Positionen an den Zufahrten zur Meerenge Bab al-Mandab kontrollieren.
Ebenso aufschlussreich sind die Abwesenden. Reuters bemerkt, dass sich die Vereinigten Arabischen Emirate und Oman der Gründungsgruppe nicht angeschlossen haben – trotz ihrer zentralen Rolle für die maritime Sicherheit am Golf. Das deutet darauf hin, dass einige Golfstaaten beim Eintritt in eine neue, von Saudi-Arabien geführte Sicherheitsarchitektur Zurückhaltung üben, während sie zugleich ihre Beziehungen zum Iran austarieren und eigene regionale Strategien verfolgen. Auch der Irak hat das Abkommen nicht unterzeichnet.
Der Zeitpunkt der Initiative ist ebenfalls von Bedeutung. Sie folgt auf eine deutliche Verschlechterung der Sicherheitslage zur See, nachdem die Huthi eine Seeblockade gegen Saudi-Arabien ausgerufen und ihre Angriffe auf Schiffe mit Bezug zum Königreich intensiviert hatten. Zugleich sollen Huthi-Führer darüber beraten haben, Durchfahrtsgebühren für Handelsschiffe zu erheben, die das südliche Rote Meer passieren – ein beispielloser Versuch, faktisch die Kontrolle über einen der wichtigsten maritimen Engpässe der Welt auszuüben.
Für Saudi-Arabien ist der Schutz des Roten Meeres inzwischen mehr als eine klassische Aufgabe der Marine. Fast alle wirtschaftlichen Schlüsselprojekte des Königreichs – darunter NEOM, das Tourismusprojekt Red Sea und der Ausbau logistischer Drehkreuze – sind auf sichere Seehandelswege angewiesen. Anhaltende Störungen würden die Vision 2030 unmittelbar beeinträchtigen, indem sie Investitionen abschrecken, Transportkosten erhöhen und Saudi-Arabiens Anspruch untergraben, sich als globales Logistikzentrum zu etablieren.
Bemerkenswert ist die Wortwahl der Erklärung. Anstatt die Koalition als gegen die Huthi oder den Iran gerichtetes Militärbündnis zu bezeichnen, stellen die Unterzeichner sie bewusst als Instrument zum Schutz der internationalen Schifffahrt, des Handels und der Energiesicherheit im Rahmen des Völkerrechts dar. Diese Formulierung lässt Raum für eine breitere internationale Zusammenarbeit und verringert zugleich das Risiko, dass die Koalition nur als weiteres Kapitel in der saudisch-iranischen Rivalität wahrgenommen wird.
Zahlreiche Fragen bleiben offen. Zwar erwähnt die Erklärung es nicht ausdrücklich, aber die Einsätze der Koalition könnten sich künftig auch auf die Straße von Hormus erstrecken, da das Ziel „Schutz des Seeverkehrs“ grundsätzlich auch dort Anwendung finden könnte. Über eine geografische Ausweitung hinaus könnte die Initiative den Auftakt für das seit Langem diskutierte Projekt einer „Nahost-NATO“ bilden.
Begleitet wird sie von einer Reihe bilateraler Verteidigungs- und Sicherheitsabkommen, insbesondere zwischen Saudi-Arabien, der Türkei und Pakistan. Die entscheidende offene Frage bleibt: Sind die Unterzeichnerstaaten tatsächlich dazu bereit und in der Lage, ihre Marinen in Gewässer zu entsenden, in denen sie mit erheblichen militärischen Herausforderungen konfrontiert werden könnten?
Titelbild: Tecumseh*1301, Golf von Aden, https://commons.wikimedia.org/wiki/File:GolfvonAdenKartevonDanielPresberger.png, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0, https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/